Wie der IT die Gratwanderung zwischen Tagesgeschäft und Innovation gelingt

Wie der IT die Gratwanderung zwischen Tagesgeschäft und Innovation gelingt

So mancher IT-Entscheider fühlt sich in seinem Job wahrscheinlich ab und zu eher wie ein Hochseilartist: Der Balanceakt zwischen Tagesgeschäft, Innovation und den ständig neuen Anforderungen aus dem Business gehört zu den wohl schwierigsten Kunststücken, das von IT-Entscheidern und ihren Teams gefordert wird. Wir erklären, wie die Aufgabe auch ohne Netz und doppelten Boden gelingen kann.

IT-Organisationen stehen im Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung vor enormen Aufgaben: Neben der schon immer geforderten Realisierung von Kosteneinsparungen und der Bereitstellung von klassischen IT Services, unterstützt IT ganz nebenbei auch aktiv die Fachabteilungen im Unternehmen. Sie muss proaktiv Lösungen und Innovationen entwickeln, die einen Mehrwert für das Business schaffen und dauerhaft seine Wettbewerbsfähigkeit garantieren.

Dabei haben Business und Anwender im Unternehmen große Erwartungen an ihren internen IT-Dienstleister: Er muss ständig und von überall aus erreichbar sein, flexibel und vor allem schnell auf neue Anforderungen reagieren. Höchste Verfügbarkeiten und kürzeste Lösungszeiten werden selbstverständlich vorausgesetzt. Wer dabei aus zufriedenen Anwendern auch noch begeisterte Endkunden machen will, muss sogar noch eine Schippe mehr drauf legen.

Zusätzlich bringen Digitalisierung, das Internet der Dinge und Industrie 4.0 ganz neue Chancen und Herausforderungen, auf die sich das Business und die IT – frühzeitig und nicht nur rechtzeitig – einstellen müssen. Allein die wachsende Anzahl vernetzter und miteinander kommunizierender Geräte und Maschinen führen zu immer komplexeren Services und Systemlandschaften. Immer größere Datenvolumen wollen einerseits beherrscht und andererseits in nutzbringende Informationen umgewandelt werden.

Was der IT das Leben schwer macht

Die Aufgabenliste der IT ist lang – und sie wird künftig mit ziemlicher Sicherheit noch länger. IT hat sich in vielen Unternehmen und Organisationen zu einer echten Herkulesaufgabe entwickelt. Besonders problematisch ist deshalb, dass in vielen IT-Organisationen die notwendigen Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung der verschiedenen Aufgaben fehlen.

Eine aktuelle Umfrage des Schweizer Fachmagazins Computerworld identifziert u.a. folgende Handicaps, die der IT das Leben schwer(er) machen: geringe Budgets, Fachkräftemangel, zu geringe Unterstützung auf Managementebene, stark veraltete Systeme, schlechte Organisation, zu viele Routineaufgaben bei zu vielen neuen Anforderungen aus den Fachabteilungen.[1]

Gerade der Balanceakt zwischen Tagesgeschäft und der geforderten Entwicklung von Innovationen und effektiven Lösungen für die Fachabteilungen, macht vielen IT-Organisationen zu schaffen. Gelingt er nicht, wird IT häufig als Flaschenhals im Unternehmen wahrgenommen. Wenn Projekte zurückgestellt oder die Wünsche der Fachabteilungen nicht schnell genug umgesetzt werden, wird IT schnell vom Innovationstreiber zur Innovationsbremse.

Wie aber soll der geforderte Spagat gelingen? Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg? Die folgenden Handlungsfelder zeigen erste Möglichkeiten auf, wie die Situation nachhaltig verbessert werden kann:

(1) Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit im Unternehmen verändert sich. In Projekten werden immer häufiger abteilungsübergreifende und hierarchieunabhängige Taskforces eingesetzt. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn Mitarbeiter mit unterschiedlichen Fachkompetenzen die Anforderungen eines Projektes quasi ganzheitlich erfassen und auf dieser Basis gemeinsam Lösungen entwickeln. In jedem Fall sind Vertrauen und Kommunikation wesentliche Erfolgsbausteine für eine erfolgreiche Zusammenarbeit innerhalb der IT-Abteilung, wie auch mit den Fachabteilungen im Unternehmen.

Alleingänge der Fachabteilungen sind oft teuer und führen zu Komplikationen. Schnell kommt es dabei zu Problemen, die die IT lösen muss. Um solche negativen Entwicklungen zu vermeiden, müssen sich beide Seiten bewegen. Fachlich geeignete IT-Mitarbeiter stehen der Fachabteilung im Idealfall beratend zur Seite, hören genau zu und nehmen Anforderungen auf. Geht nicht, gibt’s nicht – stattdessen gilt es, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ganz nebenbei sorgt eine sauber aufgegleiste interne Kommunikation für mehr Transparenz und eine verbesserte Wahrnehmung des Dienstleisters IT im Unternehmen. Regelmässige Informationen über Projekte, erreichte Meilensteine, wichtige strategische Themen und Ziele machen MitarbeiterInnen im Unternehmen die Auslastung und gleichzeitig auch die Leistungsfähigkeit der IT deutlich.

(2) Vom Entscheider zum Service Broker

Die Rolle von Führungskräften in der IT muss sich mit den zunehmenden Anforderungen zwangsläufig verändern. Es wird IT-Entscheidern auf die Dauer nicht gelingen, alles selbst zu kontrollieren und alle Aufgaben selbst zu übernehmen. Schon länger wird in der Branche deshalb von Service Brokern gesprochen, die darüber entscheiden, welche Dienstleistungen mit eigenen und welche mit fremden Mitteln erbracht werden. Nur so kann IT sicherstellen, dass ständig neue Anforderungen auch zeitnah umgesetzt werden –auch und gerade vor dem Hintergrund ggf. fehlender personeller Ressourcen.

(3) Best Practice Frameworks

Wichtige Hilfestellung leisten bei einer wachsenden Anzahl unterschiedlicher Anforderungen auch Best Practice Frameworks wie ITIL oder ISM: Sie geben effektive Leitlinien zur schrittweisen strategischen (Neu-)Ausrichtung der Organisation vor und sind gleichzeitig wirksame Orientierungshilfen.

Beim Thema Enterprise Service Management leisten Sie beispielsweise Unterstützung über den gesamten Service-Lifecycle hinweg: Von der Ermittlung und Bewertung bestehender Kundenbedürfnisse über die Entwicklung konkretet Services und innovativer Lösungen bis hin zu Einführung, Betrieb und kontinuierlicher Verbesserung. Auch wenn es um effizientes Change Management oder die Automatisierung und Optimierung von unterschiedlichsten Prozessen geht, machen Best Practices und entsprechend passende Tools vieles einfacher.

Erfolg ist, wenn alle an einem Strang ziehen

Es gibt viele IT-Organisationen, die den Spagat zwischen Tagesgeschäft mit klassischer Serviceerbringung und Kosteinsparungen, der Entwicklung von Innovationen und der Unterstützung von Fachabteilungen erfolgreich meistern. In der Regel ziehen Fachabteilung und IT in diesen Fällen an einem Strang: Denn immerhin verfolgen doch alle letztlich ein gemeinsames Ziel, das Business voranbringen und seine Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer erhalten. Vielleicht ist es genau das, was man sich auf allen Seiten und im gesamten Unternehmen immer wieder bewusst machen muss. Immerhin lebt auch eine erfolgreiche Zirkusshow nicht nur von einem Artisten …

[1] Vogt, Fabian. Engpass IT-Abteilung. In: SWISS IT Nr 5/2017, S. 30 ff.


Jetzt den Wendia Newsletter abonnieren!

Mit den Wendia News erhalten Sie regelmässig aktuelle Informationen, Whitepaper und Tipps zu Themen rund um das IT und Enterprise Service Management.

Registrieren Sie sich jetzt unverbindlich hier!


Related Posts